Am Cabo de Gata

Es war schlechtes Wetter angesagt und wir haben entschieden den Plaja Cocedores zu verlassen, da sich der Platz in einen Fluss verwandelt. Am Kap bei Almeria sieht es besser aus. Wir finden einen Platz in La Fabriquilla kurz vor dem Leuchtturm am Kap. Schroffe Berge die bis ins Meer reichen. Kilometerweit zieht sich der Strand mit weißen Fischerdörfern und Salinen im Hintergrund. Wir erkunden die Pflanzenwelt der schroffen Berge und genießen die seltenere Sonne am Strand. Ist die Sonne wirklich da können wir sogar schwimmen gehen.

Das Delta des Ebro

Wo der Ebro das Mittelmeer erreicht hat das Wasser ein weites, sandiges Delta geschaffen. Hier wird der berühmte Bomba Reis für Paella angebaut. Es gibt zahlreiche Lagunen in den Dünenlandschaften der Deltaküste. Dort machen Flamingos, Reiher und viele Zugvögel Halt auf ihren Routen von Nordeuropa nach Afrika.

Mittelmeer und Ebro verbinden sich

Zuvor schlängelt sich der Ebro durch die Berge im Hinterland. Bei Tortosa der größten Stadt der Region besuchen wir Bekannte aus Erfurt und Norddeutschland. Es gibt hier zahlreiche Olivenhaine die nicht mehr bewirtschaftet und verkauft werden. Die alten Casitas, die kleinen Wirtschaftsgebäuden aus Naturstein in den Olivenhainen lassen sich zu kleinen (Winter)Domizilen ausbauen.

An der Südseite des Ebrotals erhebt sich das Pontsgebierge mit über 1400m. Wir genießen die absolute Ruhe und den wunderschöne Anblick der Berge über denen bei einem Besuch die Geier kreisen.

Bei einem Ausflug in die Berge nördlich des Ebrotals gibt es Reste prähistorischer Felsmalereien. Der Weg zum Wanderparkplatz ist eine abenteuerliche Piste und der Pfad führt uns in eine zauberhafte Schlucht aus Felsen und lichten Wäldern.

Am Ende verbringen wir wohl über zwei Wochen (die Zeit ist mir etwas verschwommen..) im Delta und Ebrotal und fühlen uns sehr wohl in einer Region die wir bisher auf der Durchreise nicht wahrgenommen haben.

Aufbruch in den Süden

Am Montag den 06.01.2025 sind wir wieder von Weimar gestartet. Wir fahren an den kurzen tagen im Januar der wärmenden Sonne hinterher. Erfahrungsgemäß scheint sie weiter südwestlich länger am Tag. Wenn sie etwas später aufgeht soll uns das die nächsten Wochen nicht stören. Wir drehen uns morgens in unserer Wohneinheit einfach nochmal um und schlummern noch etwas. Neu mit uns unterwegs ist Aika. Die Hündin ist seit September unsere Mitbewohnerin und hat schon erste Reiseerfahrungen in Deutschland gesammelt. Täglich neue Orte und leben auf engem Raum mit uns scheinen ihr zu gefallen. 😊

Wir bleiben am ersten Abend in Alsfeld. Es ist Nachmittag geworden bis wir Leinen los sagen konnten. Also gut erstmal auf der Straße zu sein und nach drei Stunden bleiben wir erstmal über Nacht.

Am zweiten Tag fahren wir trist über die deutsche Autobahn bis an die französische Grenze bei Freiburg. Wir finden einen schönen Platz an einem See bei Belfort. Belfort im Elsass ist sicher einen Besuch wert. Wir sehen gewaltige Befestigungsanlagen des ursprünglichen Forts. Leider entkommen wir dem fortwährenden Regen noch nicht. Wir wollen weiter und hoffen dem kalten und feuchten Wetter zu entkommen.

Schöner See bei Belfort

Am kommenden Tag tingeln wir etwas über mautfreie Strassen durch Frankreich. Wir bleiben am Nachmittag in Montceau les Mines. Kleines beschauliches Örtchen am Canal Central nicht weit vor Vichy. Endlich auch eine kleine Boulangerie. Frisches Baguette und Pain au Chocolat.

Wir haben diese Route gewählt weil wir immer schonmal die A 75 fahren wollten. Die Nord Süd Autobahn ist mautfrei und verbindet Zentralfrankreich mit Montpellier. Was ich erst jetzt lese am Abend bevor wir sie erreichen. Sie ist die höchstgelegene Autobahn Europas und fährt über 100 km auf etwa 1000 m.ü.M. Wir bekommen etwas Respekt was wir unserem alten Zugpferd damit zumuten. Aber nun sind wir schon soweit in die Richtung gefahren und denken uns schlimmer als der Hohe Atlas wird es auch nicht sein. 😊

Am Morgen im Zentralmassiv.

Die Fahrt von Clermont Ferrand bis Beziers sind etwa 330 km. Eine wunderschöne Berglandschaft. Die A 75 schliest abgelegene Regionen des Zentalmassivs an das französische Strassennetz an. Die Straße klettert durch einige Täler nach oben um auf etwa 1000 Metern Hochebenen zu durchziehen. Mehrere Viadukte überspannen tiefe Schluchten. Das berühmteste das Viadukt bei Millau. Es gibt auf der nördlichen Talseite einen Rasthof mit Museum. Wir übernachten dort und vom Aussichtspunkt sehen wir die Strasse die sich in 300m über das Tal zieht. Am nächsten morgen wollen wir die 2,5 km lange Brücke überqueren um später die Mittelmeerküste zu erreichen und hoffentlich endlich dem Nebel, der Kälte und dem Regen zu entkommen.

Viadukt Millau

Bei Valras Plage am Hafen finden wir einen sehr schönen Strandparkplatz. Wir erreichen ihn am Nachmittag und haben die Wolken hinter uns gelassen. Die Sonne scheint und wir springen sofort mit Aika an den weiten Strand. Mit den Füßen im Wasser beginnt sofort eine neue Phase der Reise. Wir wollen mindestens 2 Tage stehen bleiben und nicht fahren.

2500 km bis Yalova…

wir machen erstmal zwei Tage Pause. Wir erreichen Yenimahalle im Bezirk Yalova gegen Mittag und nachdem wir unsere Wohnung unter den Steineichen platziert haben gehen wir im Dorfladen noch etwas Gemüse und Brot kaufen. Nachdem wir 10 Tage immer im Auto rumgefahren sind freue ich mich auf ein zwei Tage ohne fahren. Ein angefangenes Buch zu Ende lesen, kochen etwas Musik machen. Am zweiten Tag machen wir schonmal Pooltoilette und Außendusche sauber. Da es schwül heiß ist springen wir das erstmal in den Pool in Azizes Garten. Da Azize noch nicht von einer Reise zurück ist gibt es Parallelen zum Alltag in Weimar. Morgens die Hühner rauslassen. Hühner, Katzen und Hunde füttern. Abends bevor es dunkel wird wieder die Runde mit den Tieren.

Wir sind umgeben von bewaldeten Bergen. Die Natur ist dieses Jahr durch den reichlichen Regen üppig. Im Garten wuchert und blüht es wie in einem Dschungel.

Unsere Reise war mit zwei Übernachtungen in Ungarn und Serbien zügig. In Sofia haben wir auf einem Stellplatz mit Werkstatt übernachtet. Nikolai, der Betreiber, hat sich vor der Abreise noch unserem defekten Stützrad am Wohnwagen angenommen. Leider hatte schon in Österreich die Knebelschraube nicht mehr gegriffen und wir konnten das Stützrad nicht mehr verwenden. Dadurch ist abkuppeln nur noch über die Kurbelstützen möglich und ein bewegen des Hängers von Hand unmöglich. Das macht uns beim Parken deutlich inflexibler und wir waren froh das es in Sofia mit der Reparatur geklappt hat. Danke an Nikolai

In Sofia waren wir abends bei Freunden eingeladen. Montag Abend haben wir bei einer Freundin im Haus ein Hauskonzert mit Sufimusik gespielt. In Sofia gibt es eine große Gruppe von freunden die wir von den langen Sema Retreats in der Türkei kennen. (Mevlevi Drehtanz Retreats)

Tagsüber waren wir in der Stadt unterwegs. Wir haben die beiden Mimar Sinan Moscheen besucht. Die ehemals Schwarze Moschee ist seit hundert Jahren eine orthodoxe Kirche und es gibt Vis-avis eine geniale Eisdiele. Die Banja Baschi Moschee ist aktiv und wird von der islamischen Gemeinde in Sofia genutzt. Einst wurde sie auf Mineralquellen errichtet und ein Hamam war teil der Anlage. Leider existiert es nicht mehr. Aber an einer Mauer der Moschee dampft es noch von dem Thermalwasser. In der Sophienkirche die Sofia ihren Namen gab, ist es möglich in die Kellergewölbe hinabzusteigen. Dort finden sich Gräber, Mauern und Reste von Mosaiken aus der Gründungszeit vor über 1500 Jahren. Wir schlendern etwas durch die Gassen und finden Plätze alter Stadtgeschichte und reicher, vielfältiger Kultur zwischen Neubauten und viel Sowjet-sozialistischem Charme. 

Nach einer etwas chaotischen Einreise in die Türkei. Das unser Auto auf Annegret und der Wohnwagen aber auf mich zugelassen ist sorgte dieses Mal für bürokratische Überforderung. Eine Vollmacht wurde verlangt. War aber ja gar nicht nötig weil alle Papiere und zugehörigen Personen ja anwesend waren. Als das für alle einsichtig und auch korrekt ins System und die Pässe eingetragen war, erreichten wir gleich nach der Grenze unser Tagesziel Edirne. Wir haben unser Lager wieder direkt neben dem Sifahane Komplex von Beyazid II aufgestellt. Es war mittlerweile 18 Uhr und wir konnten noch die wichtigen ersten Dinge in der Türkei erledigen. Euro in Lira tauschen, Sim Karten mit Datenvolumen besorgen, Simitler und türkisches Brot kaufen. An der alten Karawanserei was essen gehen.

Rechts das osmanische Gesundheitzentrum mit Musiktherapie Anwendungen

Reise in die Türkei 2

Wir sind wieder losgezogenen.

Wir wollen den Juni und Juli in der Türkei verbringen und mit Freunden Seminare zu türkischer Musik, Musiktherapie und Sufismus anbieten.

1. Ruhiger Schlafplatz auf einem kleinen Sportplatz

Dieses Jahr führt unsere Route durch die Oberpfalz nach Österreich. Dort treffen wir Freunde am Attersee und haben uns am Wolfgangsee verabredet um eine türkische Neyflöte zu übergeben. Wir waren noch nie am Attersee und sind am Ende begeistert von der Landschaft im Salzkammergut. Die Route führt uns von der Autobahn erstmal über Berge und durch kleine Gassen in kleinen Örtchen bis der See sich vor uns öffnet.

Am Attersee

Wir haben einen schönen Platz am Badeplatz der Gemeinde Weyregg und verbringen die Nacht mit anderen Menschen die campen. Leider besucht uns am nächsten Morgen der Bürgermeister und sagt wir dürften hier nachts nicht bleiben. Verständlich bei Badesaison und vollen Parkplätzen aber der ganze Platz ist leer und wir bezahlen für ein Tagesticket. Sehr schade. Aber so reisen wir am zweiten Abend nach einem schönen Abendessen und etwas gemeinsamer Musik mit unseren Freunden weiter.

Kräutergarten im Gut Aich der Benediktiner
Wolfgangsee
Esplanade Bad Ischl
Österreich deine Konditoreien…

Dennoch haben wir einen sehr schönen Tag am Attersee und Wolfgangsee, in Bad Ischl und tollen Konditoreien verbracht. Im Attersee zu schwimmen ist traumhaft erfrischend. Das Wasser sehr klar und kalt.

Über Ungarn geht es weiter nach Serbien und zu Freunden in Sofia.

Unsere Karawane zieht nach Hause

Unsere Heimreise hat sich durch dies und das an einem Ort der zu einem Zuhause geworden ist doch um 2 Tage verschoben. Nach unserem Aufbruch sind wir Weimar für unsere Verhältnisse mit Siebenmeilen Schritten entgegen gerollt. An drei und einem halben Tag über 2000 km. So stehen wir heute nahe bei Prag an einem hübschen kleinen See, nicht mehr weit von Nossen unserem ersten Lagerplatz dieser Reise.

Voraussichtlich letzter Abend und Beitrag der Reise

Die erste Nacht nach dem Aufbruch von Yalova sind wir an der bulgarischen Autobahn gestrandet. Aufenthalt an der Grenze Türkei-Bulgarien 2 Stunden. Nach ein paar Stunden Schlaf ging es morgens nach einem Kaffee gleich weiter über Sofia nach Serbien. Aufenthalt an der Grenze Bulgarien – Serbien 2 Stunden. Hier blieben wir in einem idyllischen Dorf oberhalb der Donau in der Nähe eines Klosters. An der heiligen Quelle haben wir Wasser getankt und Merlin hatte die Freude von zwei Hundewelpen bespielt zu werden. Morgens spazierte eine ältere Frau mit ihrem Enkel bei uns vorbei. In brüchigem deutsch sprach Sie uns an: „Brauchen sie etwas? Kaffee? Wasser?“ Es täte ihr leid das Sie uns am Abend nicht bemerkt habe. Sie hätte uns sonst einen Platz auf ihrem Grundstück angeboten. Bezaubernd. So viele Begegnungen von Herz zu Herz im Orient und auf dem Balkan.

Wir fuhren weiter von Belgrad bis fast ans Ende von Ungarn. Aufenthalt an der Grenze: mehr als eine Stunde. Wir finden einen schönen Waldparkplatz und bleiben für die Nacht in Ungarn. Nach einem schönen Spaziergang am morgen in dem kühlen feuchten Wald, der schon ganz wie unser Wald in Weimar ist machen wir uns wieder auf die Räder. Wir fahren durch die Slowakei und nach Tschechien. Zwei Grenzen. Aufenthalt: 0 Minuten. Wir haben überschlagen das wir bei Hin und Rückfahrt etwa 12 Stunden an Grenzen verbracht haben. Uns ist wieder besonders deutlich geworden wie schön es ist das wir Grenzen schon weitgehend abgebaut haben und hoffen sehr das es so bleibt. Das Gemeinschaftsprojekt Europa ist bei aller nötigen Kritik und allen Schwierigkeiten ein verbindendes und hoffentlich einendes Modell für die Zukunft.

Yalova – Unsere Reise in einen türkischen Alltag

Seit unserem letzten Bericht sind einige Wochen vergangen. Es ist dennoch viel passiert und erlebt worden von dem berichtet werden kann. Jetzt stehen wir kurz vor der Rückreise nach Europa und letztlich Weimar und es ist doch noch etwas Zeit den Blog mit Eindrücken zu füllen.

Nach unserem Halt in Bursa haben wir die letzten Wochen bei unserer Freundin Azize unter Eichenbäumen an Ihrem Haus verbracht. Bei diesen Temperaturen ein wunderschöner Platz mit Blick auf die Berge und Wälder im Hinterland des Marmarameeres. Wir leben hier gemeinsam mit sechs Hunden (+Besuchende), zwei Katzen (+Besuchende) und dem Hahn mit seinem Harem.

Nach unserer Ankunft bei Azize sind wir ein weiteres Mal gemeinsam zurück nach Edirne gefahren. Das hatte sich spontan so entwickelt und wir ahnten bei unserem Besuch in Edirne nichts davon. Für eine Fernsehproduktion des türkischen Fernsehens waren wir eingeladen Musik- und Filmaufnahmen in der Şifahane zu machen. Ein Fahrer des Senders hat uns morgens um sechs Uhr abgeholt und uns abends zurückgefahren.

Von unserem festen Wagenplatz in Yalova haben wir die Gegend erkundet. Die Wälder und Täler mit Bächen und Wasserfällen. Wir sind ein weiteres Mal nach Bursa gefahren, da der Seidenbasar nach dem ersten Besuch noch nicht ausreichend erkundet war. Iznik, das alte Nicäa, und den Iznik See mit den umgebenden, uralten Olivenhainen.

Unser Alltag bestand aus Gartenarbeit, Pool pflegen und Tiere versorgen. Merlin konnte sich teilweise gut in das Rudel der wilden Hunde integrieren. Er wurde allerdings nie ganz aufgenommenen. Die Sechs verteidigen ihren Hügel und ihr Zuhause kompromisslos haben Merlin aber als Besucher akzeptiert.

Neben der gemeinsamen Arbeit am Haus hatten wir viel Zeit zu schwimmen und Musik zu machen. Annegret liebt die Ausflüge zum Einkaufen an den Markttagen in Yalova. Auf dem Basar türmen sich frische Gemüse und Obst aus der unmittelbaren Umgebung. Der Jahreszeitenkalender kann hier auch an der Überfülle reifer Früchte abgelesen werden die fließend ineinander übergehen. Und lange Lieferwege sind dabei kein Thema, da Yalova und Bursa wasserreiche Paradiesgärten sind. Frischgeerntete Früchte die unmöglich in dieser Reife ferne europäische Supermärkte erreichen können. Pfirsiche die beinahe mit einem Strohhalm ausgetrunken werden können. So saftig und prall liegen sie auf den Tischen.

Die vergangenen zwei Wochen haben wir mit vielen FreundInnen verbracht. Wir waren verabredet in Azizes Haus um eine Woche gemeinsam an Liedern aus der türkischen Sufitradition zu arbeiten. Wir haben übersetzt, uns über die Inhalte ausgetauscht und viel gesungen und gespielt. Am letzten Wochenende haben wir uns mit etwa 200 weiteren Menschen aus der Sufitradition ganz in der Nähe getroffen um 3 Tage und 3 Nächte den Sema zu feiern.

Blick über Yalova bis nach Istanbul

Hoş geldiniz–Wir erreichen die Türkei

Über kleine Straßen erreichen wir die türkische Grenze. Die Abfertigung dauert aber es hält sich in Grenzen ;-). Wir werden an einer Anlage seitlich besprüht. Desinfektion.? Wenns hilft. Früher musste Mensch zu dem Zweck immer in Bulgarien durch ein Wasserbad fahren. Gegen Gebühr versteht sich und zum Schutz der Grenzen gegen noch so kleine Einwanderer.

Wir halten an einer Tankstelle für die türkische Vignette. Das System ist nicht ganz durchsichtig. Es funktioniert wie ein Prepaidkonto. Wir bekommen einen Scheibenaufkleber den wir aber nicht dran kleben, weil das Videosystem das registrierte Kennzeichen scannt. Angeblich reichen 300 TL um bis Yalova zu fahren. Wir können dort bei einer Post Geld aufladen. Wieviel Guthaben noch drauf ist erfährt mensch auch nur bei der Post. Auf dieser Reise schauen einen ständig Kameras wie digitale Überwachungsaugen an.

Wir fahren in Edirne zur Sultan Beyazid Komplex. Das alte osmanische Gesundheitszentrum mit Moschee, Medrese, Rosengarten und Krankenhaus (Şifahane bedeutet eigentlich Gesundheitshaus) haben wir schon früher besucht. Heute beherbergt es auch ein sehr umfangreiches Medizinmuseum. Auf Musikreisen und zu Konzerten bin ich schon früher mit meinem Lehrer Oruç Güvenç und der Gruppe Tümata hier gewesen. In diesem osmanischen Heilzentrum, erbaut 1488, wurde besonders auch mit Musiktherapie gearbeitet. Der Klang der klassischen orientalischen Makammusik und der Klang des Wassers aus zentralen Wasserbrunnen und kleinen Bachläufen im Gebäude wurde gemeinsam mit Kräutermedizin und anderen therapeutischen Maßnahmen eingesetzt. Dabei gab es ein umfangreiches Wissen über die Wirkung der differenzierten Tonarten auf Körper und Organe und seelische Zustände. So wurden hier schon früh auch psychische Dispositionen sehr ernst genommen und wissenschaftlich behandelt.

Wir wollten am Gelände übernachten und fanden Platz auf einer Schotterfläche neben dem Gelände. Der Wunsch einen Schattenplatz für ein Fahrzeug zu finden bleibt in der Türkei leider oft vergebens und unerfüllt. Es ist schon fast Abend und die Sonne sinkt langsam. Dennoch ist es erbarmungslos heiß. Mein Wunsch ist es am ursprünglichen Platz der Musiker auf meinen türkischen Instrumenten zu spielen. Ich habe Glück und treffe beim Betreten des Geländes gleich den Leiter des Museums. Er kennt natürlich die Arbeit von Oruç Güvenç und seine Forschung zur altorientalischen Musiktherapie. Über meine Idee Musik zu machen freut er sich und er meldet den Wachleuten mein Kommen für den nächsten Tag an.

Es ist ein wunderschöner Ort um Musik auf Ney, Rebab und Kopuz/Oud zu spielen. Die Kuppel hat eine angenehme Akustik und die Musik wird mit dem Klang des Brunnens in die angrenzenden Räume getragen.

Weitere Vorhaben in Edirne sind türkische Lira besorgen, eine türkische Sim Karte für Internet, die Syleimaniye Moschee des großen Architekten Sinan besuchen und etwas durch den Basar schlendern. Das lässt sich von unserem Standplatz alles gut erledigen. Kurios ist niemand wollte an einer Grenze unseren Pass (also das Stempelheft) sehen. Aber um eine Sim Karte zu bekommen brauchen wir den Pass möglichst mit Einreisestempel (der nicht drin ist wenn an der Grenze niemand den Pass sehen möchte). Am Ende haben wir ausreichend Datenvolumen für einen Monat und auch digital weiterhin „on the road“ bleiben zu können.

Wer ist Seuthes III ?

Im Rosental waren wir 2003 schon einmal. Damals sind wir mit unserem alten MB 508 D von Rumänien kommend über den Schipka Pass und Rosental gefahren. Über Griechenland ging es dann später auch in die Türkei. Wir hatten sechs wunderbare Monate in der Türkei und sind mit unserem fidibus überall herzlich aufgenommen worden. Einige Menschen die wir auf dieser Reise in der Türkei treffen wollen haben wir damals kennengelernt oder in der Folge der Reise. Aber das ist eine andere Geschichte und muß dem Internet vielleicht an anderer Stelle ausführlich erzählt werden. Der Reise Blog von damals ist auf Filmrollen und Tagebüchern festgehalten.

Grabhügel Shushmanets

Ich kann mich nicht erinnern schon damals vom Tal der thrakischen Könige gehört zu haben.? Und tatsächlich ist die Erschließung der Grabanlagen noch recht jung. Die Archäologen haben in Bulgarien den Wettlauf mit den Grabräubern an vielen Stellen verloren. Viele Hügelgräber wurden mit Bulldozern aufgegraben und geplündert. Das Grab in dem angeblich der Thrakier König Seuthes III begraben lag haben wir heute besuchen können. Außerdem drei Weitere die wissenschaftlich untersucht und gesichert werden konnten. Die Öffnungen zu den Kulträumen waren exakt nach Süden ausgerichtet und es gibt Hinweise das zur Sonnwende das Licht auf besondere Weise ins Innere dringen konnte. Besonders zur Wintersonnwende bei flach stehender Sonne ist das gut vorstellbar. Uns erinnert das an die Besuche von Newgrange und den Hügelgräbern in Irland. Die Tempel und Kulträume wurden wohl zur Bestattung besonderer Persönlichkeiten als Grabkammern genutzt und nach einiger Zeit mit Erde verschlossen. So entstanden perfekte Hügel in der Landschaft, die die Zeiten überdauerten bis Archäologen oder Grabräuber einer neuen Zeit anrückten um nachzusehen sehen was da los ist.

Beim Seuthes

Von Seuthes hat man eine Bronzebüste gefunden wie sie auch auf den Münzen seiner Zeit abgebildet waren. Auf ihn geht auch die damalige Siedlung Seuthepolis zurück. Sie war das zivilisatorische Zentrum im thrakischen Tal hier am Fuß des Balkanmassivs. Die Stadt und die umgebenden Tempel und Grabhügel zwischen den Bergen muss ein atemberaubend schöner Lebensraum gewesen sein. Die Antike Stadt ist nun einem anderen Interesse einer neuen Zeit zum Opfer gefallen. Der Energiegewinnung und modernen Wasserversorgung. Die Reste der antiken Siedlung liegen unweit unseres Stellplatzes auf dem Grund des Stausees Koprinka. Das Wasser der Tundscha erfrischt tagsüber Merlin beim Gassi gehen.

2003 wollten wir hierher wegen der Damaszener Rosen. Und wir waren im Mai zur richtigen Zeit da. Das Tal erblüht und duftet dann von Millionen Rosen. Morgens werden die Blütenblätter gesammelt und das berühmte bulgarische Rosenöl destilliert. Die Rosen sind mit den Osmanen vermutlich bereits im 16 Jahrhundert aus Damaskus hierher gekommen. Klima ist für das Wachstum perfekt und die Rose in Bulgarien eine Erfolgsgeschichte. Für die Blüte sind wir dieses Mal zu spät. Es ist bereits alles abgeerntet. Wir besuchen das Museum und den Park in Kazanlak und trinken nach den thrakischen Gräbern einen Rosentee. Ende Juni duftet es hier überall nach Lindenblüten und Lavendel.

Das Thermalwasser auf unserem Platz ist nicht zum Trinken geeignet. Hier gibt es viele Bergquellen. Nach unserem Besuch der russischen Kirche in Shipka fahren wir ein Stück in die Berge Richtung Shipka Pass. An der Quelle erinnern wir uns das wir hier schon damals unsern Wassertank am Bus aufgefüllt haben. Eine schöne und überraschende Erinnerung. Ein Ort der sich nicht verändert hat. Heute tanken wir unsere Trinkwasser Behälter mit dem eiskalten Wasser des „alten Gebirges“ wie es in Bulgarien heißt.

Durch Serbien ins bulgarische Balkangebirge

Wir sind Sonntag vormittags von der Puszta aufgebrochen. Sonntag schien uns ein guter Tag um ohne viele LKW über die serbische Grenze zu kommen. Es ging dann auch in 45 Minuten waren wir in Serbien. Ausweiskontrolle Ungarn und nochmal Ausweiskontrolle Serbien. Das sind wir ja so gar nicht mehr gewohnt. Wir haben nichts weiter vor in Serbien. Wollen weiter bis ins Rosental in Bulgarien. Also fahren wir. Bis Belgrad ist alles so flach wie in Ungarn. Danach nach Niş wird es bergiger. Gegen Abend erreichen wir Hotel Restaurant Bosphorus und stellen uns auf den riesigen LKW Parkplatz hinter den Gebäuden. Viele der deutschen Kennzeichen sind auch hier angekommen. Mittlerweile haben wir auch mitbekommen das am Wochenende in NRW Ferienbeginn war. Daher so konzentriert viele Autos aus diesem Gebiet. Das Hotel Bosphorus scheint bekannt und beliebt zu sein bei den Menschen auf der langen Fahrt in den Sommer der alten Heimat. Im Garten werden die Aprikosen reif. Wir essen etwas und haben eine ruhige Nacht.

Morgens starten wir früh. Es soll heiß werden und wir wollen nicht zu spät im bulgarischen Rosental ankommen. 450 km sind erstmal nicht zu viel auf einer Karte. An der Grenze nach Bulgarien sammeln sich die vielen, vielen Autos aus NRW zu einer langen Schlange. Aus einem Nicht EU Land in ein EU Land. Wir kaufen noch eine e-Vignette für Bulgarien und Reihen uns ein. Ab jetzt geht es nur noch in Autolängen und je Länge 2-5 Minuten voran. Am Ende stehen und rollen wir 3 1/2 Stunden auf die Grenze zu. Zeitweise geht es zu wie auf den Straßen von Istanbul. Alle versuchen Lücken auszumachen und dreispurig wird auch mal fünfspurig. Das Auto zeigt wieder 38° an. Warum sind wir nicht nachts um drei Uhr hierher gefahren? Warum gibt es nicht mehr GrenzbeamtInnen? Drei Schalter sind tatsächlich unbesetzt. Es gibt sogar einen türkischen Polizisten, der Amtshilfe leistend, erklärend durch die Autoreihen geht. Am Ende haben erst die Serben und dann die Bulgaren unsere Papiere geprüft und einen Blick in unseren Wohnwagen geworfen. Wir kommen wieder auf Touren und fahren den Rest des Tages durch Bulgarien. Vor Plodiw geht eine Straße Richtung Norden in die Berge. Die Landschaft ist traumhaft. Reife Früchte an den Bäumen. Aprikosen, Pflaumen und Gemüsestände am Straßenrand. Über Karlovo und Kalofer erreichen wir Kazanlak. Bei einem Großgrundbesitzer der einen Teil seines Parks für Reisende zur Verfügung stellt rollen wir am Abend auf den Platz. Es gibt alles was wir brauchen. Bäume für Schatten und Platz zum entspannen. Wir nehmen uns vor nach den Autobahn Tagen etwas im Schatten zu liegen und uns im Rosental und Tal der thrakischen Könige umzusehen. Nebenan ist eine Thermalquelle. Auf dem Grundstück gibt es eine eigene Zapfstelle. Heißes Wasser aus der Erde direkt in den Wasserhahn.

Wir waren außerdem jenseits der Grenzen begeistert von den Straßen. Wir sind die Route nach Istanbul 2010 das letzte Mal mit dem Auto gefahren und die Autobahnen sind heute durchweg in einem guten Zustand. Bulgarien hat nach der Grenze erstmal Baustelle. Damals sind wir mit unserem alten Volvo noch auf dem Stadtring von Sofia mit der Vorderachse aufgesessen. So tief waren die Löcher. Es war doch recht anstrengend ständig aufzupassen um rechtzeitig auszuweichen.