2500 km bis Yalova…

wir machen erstmal zwei Tage Pause. Wir erreichen Yenimahalle im Bezirk Yalova gegen Mittag und nachdem wir unsere Wohnung unter den Steineichen platziert haben gehen wir im Dorfladen noch etwas Gemüse und Brot kaufen. Nachdem wir 10 Tage immer im Auto rumgefahren sind freue ich mich auf ein zwei Tage ohne fahren. Ein angefangenes Buch zu Ende lesen, kochen etwas Musik machen. Am zweiten Tag machen wir schonmal Pooltoilette und Außendusche sauber. Da es schwül heiß ist springen wir das erstmal in den Pool in Azizes Garten. Da Azize noch nicht von einer Reise zurück ist gibt es Parallelen zum Alltag in Weimar. Morgens die Hühner rauslassen. Hühner, Katzen und Hunde füttern. Abends bevor es dunkel wird wieder die Runde mit den Tieren.

Wir sind umgeben von bewaldeten Bergen. Die Natur ist dieses Jahr durch den reichlichen Regen üppig. Im Garten wuchert und blüht es wie in einem Dschungel.

Unsere Reise war mit zwei Übernachtungen in Ungarn und Serbien zügig. In Sofia haben wir auf einem Stellplatz mit Werkstatt übernachtet. Nikolai, der Betreiber, hat sich vor der Abreise noch unserem defekten Stützrad am Wohnwagen angenommen. Leider hatte schon in Österreich die Knebelschraube nicht mehr gegriffen und wir konnten das Stützrad nicht mehr verwenden. Dadurch ist abkuppeln nur noch über die Kurbelstützen möglich und ein bewegen des Hängers von Hand unmöglich. Das macht uns beim Parken deutlich inflexibler und wir waren froh das es in Sofia mit der Reparatur geklappt hat. Danke an Nikolai

In Sofia waren wir abends bei Freunden eingeladen. Montag Abend haben wir bei einer Freundin im Haus ein Hauskonzert mit Sufimusik gespielt. In Sofia gibt es eine große Gruppe von freunden die wir von den langen Sema Retreats in der Türkei kennen. (Mevlevi Drehtanz Retreats)

Tagsüber waren wir in der Stadt unterwegs. Wir haben die beiden Mimar Sinan Moscheen besucht. Die ehemals Schwarze Moschee ist seit hundert Jahren eine orthodoxe Kirche und es gibt Vis-avis eine geniale Eisdiele. Die Banja Baschi Moschee ist aktiv und wird von der islamischen Gemeinde in Sofia genutzt. Einst wurde sie auf Mineralquellen errichtet und ein Hamam war teil der Anlage. Leider existiert es nicht mehr. Aber an einer Mauer der Moschee dampft es noch von dem Thermalwasser. In der Sophienkirche die Sofia ihren Namen gab, ist es möglich in die Kellergewölbe hinabzusteigen. Dort finden sich Gräber, Mauern und Reste von Mosaiken aus der Gründungszeit vor über 1500 Jahren. Wir schlendern etwas durch die Gassen und finden Plätze alter Stadtgeschichte und reicher, vielfältiger Kultur zwischen Neubauten und viel Sowjet-sozialistischem Charme. 

Nach einer etwas chaotischen Einreise in die Türkei. Das unser Auto auf Annegret und der Wohnwagen aber auf mich zugelassen ist sorgte dieses Mal für bürokratische Überforderung. Eine Vollmacht wurde verlangt. War aber ja gar nicht nötig weil alle Papiere und zugehörigen Personen ja anwesend waren. Als das für alle einsichtig und auch korrekt ins System und die Pässe eingetragen war, erreichten wir gleich nach der Grenze unser Tagesziel Edirne. Wir haben unser Lager wieder direkt neben dem Sifahane Komplex von Beyazid II aufgestellt. Es war mittlerweile 18 Uhr und wir konnten noch die wichtigen ersten Dinge in der Türkei erledigen. Euro in Lira tauschen, Sim Karten mit Datenvolumen besorgen, Simitler und türkisches Brot kaufen. An der alten Karawanserei was essen gehen.

Rechts das osmanische Gesundheitzentrum mit Musiktherapie Anwendungen

Reise in die Türkei 2

Wir sind wieder losgezogenen.

Wir wollen den Juni und Juli in der Türkei verbringen und mit Freunden Seminare zu türkischer Musik, Musiktherapie und Sufismus anbieten.

1. Ruhiger Schlafplatz auf einem kleinen Sportplatz

Dieses Jahr führt unsere Route durch die Oberpfalz nach Österreich. Dort treffen wir Freunde am Attersee und haben uns am Wolfgangsee verabredet um eine türkische Neyflöte zu übergeben. Wir waren noch nie am Attersee und sind am Ende begeistert von der Landschaft im Salzkammergut. Die Route führt uns von der Autobahn erstmal über Berge und durch kleine Gassen in kleinen Örtchen bis der See sich vor uns öffnet.

Am Attersee

Wir haben einen schönen Platz am Badeplatz der Gemeinde Weyregg und verbringen die Nacht mit anderen Menschen die campen. Leider besucht uns am nächsten Morgen der Bürgermeister und sagt wir dürften hier nachts nicht bleiben. Verständlich bei Badesaison und vollen Parkplätzen aber der ganze Platz ist leer und wir bezahlen für ein Tagesticket. Sehr schade. Aber so reisen wir am zweiten Abend nach einem schönen Abendessen und etwas gemeinsamer Musik mit unseren Freunden weiter.

Kräutergarten im Gut Aich der Benediktiner
Wolfgangsee
Esplanade Bad Ischl
Österreich deine Konditoreien…

Dennoch haben wir einen sehr schönen Tag am Attersee und Wolfgangsee, in Bad Ischl und tollen Konditoreien verbracht. Im Attersee zu schwimmen ist traumhaft erfrischend. Das Wasser sehr klar und kalt.

Über Ungarn geht es weiter nach Serbien und zu Freunden in Sofia.

Unsere Karawane zieht nach Hause

Unsere Heimreise hat sich durch dies und das an einem Ort der zu einem Zuhause geworden ist doch um 2 Tage verschoben. Nach unserem Aufbruch sind wir Weimar für unsere Verhältnisse mit Siebenmeilen Schritten entgegen gerollt. An drei und einem halben Tag über 2000 km. So stehen wir heute nahe bei Prag an einem hübschen kleinen See, nicht mehr weit von Nossen unserem ersten Lagerplatz dieser Reise.

Voraussichtlich letzter Abend und Beitrag der Reise

Die erste Nacht nach dem Aufbruch von Yalova sind wir an der bulgarischen Autobahn gestrandet. Aufenthalt an der Grenze Türkei-Bulgarien 2 Stunden. Nach ein paar Stunden Schlaf ging es morgens nach einem Kaffee gleich weiter über Sofia nach Serbien. Aufenthalt an der Grenze Bulgarien – Serbien 2 Stunden. Hier blieben wir in einem idyllischen Dorf oberhalb der Donau in der Nähe eines Klosters. An der heiligen Quelle haben wir Wasser getankt und Merlin hatte die Freude von zwei Hundewelpen bespielt zu werden. Morgens spazierte eine ältere Frau mit ihrem Enkel bei uns vorbei. In brüchigem deutsch sprach Sie uns an: „Brauchen sie etwas? Kaffee? Wasser?“ Es täte ihr leid das Sie uns am Abend nicht bemerkt habe. Sie hätte uns sonst einen Platz auf ihrem Grundstück angeboten. Bezaubernd. So viele Begegnungen von Herz zu Herz im Orient und auf dem Balkan.

Wir fuhren weiter von Belgrad bis fast ans Ende von Ungarn. Aufenthalt an der Grenze: mehr als eine Stunde. Wir finden einen schönen Waldparkplatz und bleiben für die Nacht in Ungarn. Nach einem schönen Spaziergang am morgen in dem kühlen feuchten Wald, der schon ganz wie unser Wald in Weimar ist machen wir uns wieder auf die Räder. Wir fahren durch die Slowakei und nach Tschechien. Zwei Grenzen. Aufenthalt: 0 Minuten. Wir haben überschlagen das wir bei Hin und Rückfahrt etwa 12 Stunden an Grenzen verbracht haben. Uns ist wieder besonders deutlich geworden wie schön es ist das wir Grenzen schon weitgehend abgebaut haben und hoffen sehr das es so bleibt. Das Gemeinschaftsprojekt Europa ist bei aller nötigen Kritik und allen Schwierigkeiten ein verbindendes und hoffentlich einendes Modell für die Zukunft.

Wer ist Seuthes III ?

Im Rosental waren wir 2003 schon einmal. Damals sind wir mit unserem alten MB 508 D von Rumänien kommend über den Schipka Pass und Rosental gefahren. Über Griechenland ging es dann später auch in die Türkei. Wir hatten sechs wunderbare Monate in der Türkei und sind mit unserem fidibus überall herzlich aufgenommen worden. Einige Menschen die wir auf dieser Reise in der Türkei treffen wollen haben wir damals kennengelernt oder in der Folge der Reise. Aber das ist eine andere Geschichte und muß dem Internet vielleicht an anderer Stelle ausführlich erzählt werden. Der Reise Blog von damals ist auf Filmrollen und Tagebüchern festgehalten.

Grabhügel Shushmanets

Ich kann mich nicht erinnern schon damals vom Tal der thrakischen Könige gehört zu haben.? Und tatsächlich ist die Erschließung der Grabanlagen noch recht jung. Die Archäologen haben in Bulgarien den Wettlauf mit den Grabräubern an vielen Stellen verloren. Viele Hügelgräber wurden mit Bulldozern aufgegraben und geplündert. Das Grab in dem angeblich der Thrakier König Seuthes III begraben lag haben wir heute besuchen können. Außerdem drei Weitere die wissenschaftlich untersucht und gesichert werden konnten. Die Öffnungen zu den Kulträumen waren exakt nach Süden ausgerichtet und es gibt Hinweise das zur Sonnwende das Licht auf besondere Weise ins Innere dringen konnte. Besonders zur Wintersonnwende bei flach stehender Sonne ist das gut vorstellbar. Uns erinnert das an die Besuche von Newgrange und den Hügelgräbern in Irland. Die Tempel und Kulträume wurden wohl zur Bestattung besonderer Persönlichkeiten als Grabkammern genutzt und nach einiger Zeit mit Erde verschlossen. So entstanden perfekte Hügel in der Landschaft, die die Zeiten überdauerten bis Archäologen oder Grabräuber einer neuen Zeit anrückten um nachzusehen sehen was da los ist.

Beim Seuthes

Von Seuthes hat man eine Bronzebüste gefunden wie sie auch auf den Münzen seiner Zeit abgebildet waren. Auf ihn geht auch die damalige Siedlung Seuthepolis zurück. Sie war das zivilisatorische Zentrum im thrakischen Tal hier am Fuß des Balkanmassivs. Die Stadt und die umgebenden Tempel und Grabhügel zwischen den Bergen muss ein atemberaubend schöner Lebensraum gewesen sein. Die Antike Stadt ist nun einem anderen Interesse einer neuen Zeit zum Opfer gefallen. Der Energiegewinnung und modernen Wasserversorgung. Die Reste der antiken Siedlung liegen unweit unseres Stellplatzes auf dem Grund des Stausees Koprinka. Das Wasser der Tundscha erfrischt tagsüber Merlin beim Gassi gehen.

2003 wollten wir hierher wegen der Damaszener Rosen. Und wir waren im Mai zur richtigen Zeit da. Das Tal erblüht und duftet dann von Millionen Rosen. Morgens werden die Blütenblätter gesammelt und das berühmte bulgarische Rosenöl destilliert. Die Rosen sind mit den Osmanen vermutlich bereits im 16 Jahrhundert aus Damaskus hierher gekommen. Klima ist für das Wachstum perfekt und die Rose in Bulgarien eine Erfolgsgeschichte. Für die Blüte sind wir dieses Mal zu spät. Es ist bereits alles abgeerntet. Wir besuchen das Museum und den Park in Kazanlak und trinken nach den thrakischen Gräbern einen Rosentee. Ende Juni duftet es hier überall nach Lindenblüten und Lavendel.

Das Thermalwasser auf unserem Platz ist nicht zum Trinken geeignet. Hier gibt es viele Bergquellen. Nach unserem Besuch der russischen Kirche in Shipka fahren wir ein Stück in die Berge Richtung Shipka Pass. An der Quelle erinnern wir uns das wir hier schon damals unsern Wassertank am Bus aufgefüllt haben. Eine schöne und überraschende Erinnerung. Ein Ort der sich nicht verändert hat. Heute tanken wir unsere Trinkwasser Behälter mit dem eiskalten Wasser des „alten Gebirges“ wie es in Bulgarien heißt.

Durch Serbien ins bulgarische Balkangebirge

Wir sind Sonntag vormittags von der Puszta aufgebrochen. Sonntag schien uns ein guter Tag um ohne viele LKW über die serbische Grenze zu kommen. Es ging dann auch in 45 Minuten waren wir in Serbien. Ausweiskontrolle Ungarn und nochmal Ausweiskontrolle Serbien. Das sind wir ja so gar nicht mehr gewohnt. Wir haben nichts weiter vor in Serbien. Wollen weiter bis ins Rosental in Bulgarien. Also fahren wir. Bis Belgrad ist alles so flach wie in Ungarn. Danach nach Niş wird es bergiger. Gegen Abend erreichen wir Hotel Restaurant Bosphorus und stellen uns auf den riesigen LKW Parkplatz hinter den Gebäuden. Viele der deutschen Kennzeichen sind auch hier angekommen. Mittlerweile haben wir auch mitbekommen das am Wochenende in NRW Ferienbeginn war. Daher so konzentriert viele Autos aus diesem Gebiet. Das Hotel Bosphorus scheint bekannt und beliebt zu sein bei den Menschen auf der langen Fahrt in den Sommer der alten Heimat. Im Garten werden die Aprikosen reif. Wir essen etwas und haben eine ruhige Nacht.

Morgens starten wir früh. Es soll heiß werden und wir wollen nicht zu spät im bulgarischen Rosental ankommen. 450 km sind erstmal nicht zu viel auf einer Karte. An der Grenze nach Bulgarien sammeln sich die vielen, vielen Autos aus NRW zu einer langen Schlange. Aus einem Nicht EU Land in ein EU Land. Wir kaufen noch eine e-Vignette für Bulgarien und Reihen uns ein. Ab jetzt geht es nur noch in Autolängen und je Länge 2-5 Minuten voran. Am Ende stehen und rollen wir 3 1/2 Stunden auf die Grenze zu. Zeitweise geht es zu wie auf den Straßen von Istanbul. Alle versuchen Lücken auszumachen und dreispurig wird auch mal fünfspurig. Das Auto zeigt wieder 38° an. Warum sind wir nicht nachts um drei Uhr hierher gefahren? Warum gibt es nicht mehr GrenzbeamtInnen? Drei Schalter sind tatsächlich unbesetzt. Es gibt sogar einen türkischen Polizisten, der Amtshilfe leistend, erklärend durch die Autoreihen geht. Am Ende haben erst die Serben und dann die Bulgaren unsere Papiere geprüft und einen Blick in unseren Wohnwagen geworfen. Wir kommen wieder auf Touren und fahren den Rest des Tages durch Bulgarien. Vor Plodiw geht eine Straße Richtung Norden in die Berge. Die Landschaft ist traumhaft. Reife Früchte an den Bäumen. Aprikosen, Pflaumen und Gemüsestände am Straßenrand. Über Karlovo und Kalofer erreichen wir Kazanlak. Bei einem Großgrundbesitzer der einen Teil seines Parks für Reisende zur Verfügung stellt rollen wir am Abend auf den Platz. Es gibt alles was wir brauchen. Bäume für Schatten und Platz zum entspannen. Wir nehmen uns vor nach den Autobahn Tagen etwas im Schatten zu liegen und uns im Rosental und Tal der thrakischen Könige umzusehen. Nebenan ist eine Thermalquelle. Auf dem Grundstück gibt es eine eigene Zapfstelle. Heißes Wasser aus der Erde direkt in den Wasserhahn.

Wir waren außerdem jenseits der Grenzen begeistert von den Straßen. Wir sind die Route nach Istanbul 2010 das letzte Mal mit dem Auto gefahren und die Autobahnen sind heute durchweg in einem guten Zustand. Bulgarien hat nach der Grenze erstmal Baustelle. Damals sind wir mit unserem alten Volvo noch auf dem Stadtring von Sofia mit der Vorderachse aufgesessen. So tief waren die Löcher. Es war doch recht anstrengend ständig aufzupassen um rechtzeitig auszuweichen.